Gründe

Mit der BahnCard 100 verschreibt man sich voll und ganz den öffentlichen Verkehrsmitteln und all den damit gebotenen

Tomas Renner Jones

Blogger, Berater ECommerce und Internetprojekte

Abenteuern. Für 350 € im Monat darf man sich nicht nur frei in der 2. Klasse aller Züge der Deutschen Bahn einschließlich ICE Sprinter bewegen, sondern bekommt noch den Nahverkehr in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und über 120 weiterer deutscher Städte gratis dazu. Zudem fahren Kinder bis 15 Jahre umsonst mit, Ehepartner erhalten gratis eine BC 25 und es gibt Rabatte bei Bahnfahrrädern Call a Bike und bei den Mietwagen von DB Car Sharing. Vom ersten Tag an ist man BahnComfort-Kunde und darf auch ohne gesammelte Punkte kurzfristig kostenfrei Sitzplätze reservieren und sich Kaffee, Tee, Obst und Gebäck bei freiem W-Lan in den DB-Lounges servieren lassen. Ich mache einen Selbstversuch und werde darüber in den kommenden 12 Monaten regelmäßig berichten.

Mobilität ist war das große Schlagwort des ausgehenden 20. Jahrhunderts und zeigt erste gesellschaftliche Folgen im noch jungen 3. Jahrtausend. Flexibel müssten wir sein, oder sein wir ja schon predigte bereits unser Klassenlehrer der 10. Klasse 1987. Wir besichtigten zu dieser Zeit die Tunnel- und Brückenbauten der ICE-Trasse zwischen Fulda und Göttingen – damals noch nebeliges Zonenrandgebiet in Nordhessen.

Mein Taufonkel war altehrwürdiger Eisenbahner und als Jurist weit nach oben gestoßen bei der alten Deutschen Bahn – weit entfernt von der heutigen Fast-AG. Doch schon beim Bau der ICE-Strecke und den dazugehörigen Bahnhöfen arbeitete die Bahn mit jener Gründlichkeit wie heute bei der Wartung von Radreifen, Bahnhofsfassaden oder den Zügen der Bahnbeteiligung Berliner S-Bahn: Beim ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe hatte man die Kundentoiletten vergessen, es war der größte und modernste Bahnhof dieser Zeit.

Ich selbst habe als Teenager die Kursbücher die mein Onkel jährlich schenkte geliebt und Stunden damit verbracht auszuarbeiten, wie ich verflossene Liebschaften vom Schüleraustausch oder Klassenfahrten mit Mofa und D-Zug in Paris oder im Breisgau besuchen und so Kontakt halten könnte. In Frankreich gab es Minitel, bei uns BTX – das war nicht kompatibel und die Telekom verlangte damals 2 stellige D-Mark-Beträge für ein 1stündiges Telefonat – da blieb nur: Hinfahren.

Die  ICE-1-Züge mit den Fernsehern in den Raucherwagen der 2. Klasselernte ich – kostenfrei –  während meiner Bundeswehrzeit auf den Familienheimfahrten von Altenstadt im Schongau und Weingarten am Bodensee kennen und war begeistert. Später wurden die Züge immer voller und der Preis für eine Fahrt Berlin-Kassel-Berlin kletterte innerhalb weniger Jahre von 49 DM auf 69 € für die einfache Fahrt ohne BahnCard – die Bahncard bekam man als Student noch für 120 DM, jetzt muss ich 220 € dafür bezahlen-

Beruflich bin ich während der vergangenen Jahre viel geflogen und habe – gegen besseres Wissen und gegen mein Gewissen mit CO2-Konto extrem strapaziert. Als Ausgleich nutze ich wo und wenn ich kann seit 7 Jahren begeistert Call-a-Bike.

Mein letztes Bahn-Erlebnis hatte ich beim Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull – Ich war zu dieser Zeit in London und genoss die seit drei Tage anhaltende Stille im strahlend blauen Himmel über der Stadt, als es mir zu bunt wurde mit den Streitereien zwischen Joachim Hunold und Peter Ramsauer. Ich logte mich drei Tage nach Schließung großer Teile des europäischen Luftraums auf bahn.de ein und buchte das auf der Startseite angepriesene „London-Spezial“ für 99 € von London nach Köln mit dem Eurostar. Verwundert über die Verfügbarkeit genehmigte ich mir noch das upgrade auf die erste Klasse und bekam so für 129 € priority-boarding in London St Pancras, Frühstück und Mittagessen im Eurostar am Platz serviert und einen Sitzplatz in der stehend überfüllten 1. Klasse im ICE von Brüssel nach Köln.

Weil ich gerne in Deutschland unterwegs bin, Kunden und Auftraggeber in München, Hamburg und Köln habe und immer noch am Ostpol wohne und für die Berliner Monatskarte ohnehin 90 € ausgeben müsste, wage ich nun den Selbstversuch und stelle mich für 12 Monate mit der BC 100 Mobility ganz auf das Abenteuer Schiene ein.

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