Bahn-Blog 001 – Unterwegs mit dem Mobility Wunder Bahncard 100, 7. August 2010 Berlin > Kassel > Berlin DB Lounge

Mit Blick auf Angies Waschmaschine

Bilder DB Lounge Berlin

Am Strand der etruskischen Küste vernahm ich aus den Zeitungen, dass Schüler auf Ferienreise in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn wegen ausgefallener Klimaanlagen bewusstlos wurden. Den Antrag für ein Monatsabo der Bahncard 100 hatte ich da schon eingereicht. Die BahnCard 100 2. Klasse bekommt man im Abo mtl. für 350 €. Dann muss man bis zum 5. des Vormonats einen Antrag eingereicht haben – es geht hier nur der Postweg! Man kann das nicht online machen und auch wenn man den Antrag am Schalter abgibt, muss man den Postweg noch berechnen –Oh Gott oh Gott – fängt ja gut an dachte ich damals schon, aber ließ mich von so einem UnService nicht beirren.

Zurück daheim in Berlin nahm ich die erste Fahrt in Angriff. Kleene Tochter für low nach Kassel zur Oma überführen. Abends wollte ich die Platzreservierung im Internet vornehmen – für 2,50 € pro Nase wie immer dachte ich. Im Dropdown kann man aber die Bahncard 100 nicht auswählen und Reservierungen „ohne Ticket“ kosten 4,50 pro Person. Irgendwie hätte ich erwartet, dass beim Königsticket die Platzreservierung enthalten ist – gefehlt. Aus irgendeinem Grund wird dies sogar ausdrücklich in die AGB geschrieben: Reservierungen kosten 4,50 €, inkl. Mitfahrer also 9 €.

Telefonisch bestätigte man mir das, die Internetbuchung sei nur „ohne Ticket“ möglich und deshalb teurer – DB-Logistik-Logik. Da –wie die kostenpflichtige Hotline (14ct/Minute) mir sagen konnte nur noch 30 Plätze im ICE 597 9:37 Berlin Hbf frei waren biss ich in den sauren Apfel.

ICE 597 Berlin > München Carolo Wilhelmina (Historischer Name der heutigen Technischen Universität Braunschweig, die ab 1878 den Namen  “Herzogliche Technische Hochschule Carolo-Wilhelmina” trug) fuhr planmäßig, musste aber kurz nach Potsdam wegen einer defekten Tür 15 Minuten halten und fing sich dadurch 25 Minuten Verspätung ein, die er bis KS-Wilhelmshöhe  nicht mehr einholen konnte. Der Ansatz der Deutschen Bahn, Fahrgäste wiederholt und detailliert über die Missstände aufzuklären ist positiv zu bewerten. Die Gesprächsleitfäden dafür sollten aber didaktisch ausgefeilt werden, lassen doch Formulierungen wie „Der Zug zeigte uns einen Türschaden in Wagen 9 an“ eher auf Ohnmacht schließen. Behoben werden konnte der Schaden jedenfalls ohne Techniker innerhalb von 10 Minuten – wahrscheinlich wie am heimischen PC durch hoch und runterfahren des Systems. Jedenfalls hielt die Tür anscheinend auch bei der Vorbeifahrt an einem entgegenkommenden ICE mit jeweils Tempo 220 auf der Höhe von Magdeburg.

Im vollbesetzten  ICE Baureihe 2 waren die Klimaanlagen in Takt, was mich in kurzer Hose und T-Shirt schmerzlich daran erinnerte, dass ich gewöhnlich immer mit leichtem Schal und Basecap die Züge der Deutschen Bahn besteige, da mein Haupthaar im Jahr 38 lichter wird und sich die Temperatur nur in den Abteilen aber nicht im Großraumwagen manuell regeln lässt.

Nach einen paar Runden Bieberbande und Obstgarten sowie der Lektüre der Journalisten immer überzeugenden Bahn-Mobil – in der Ausgabe August 2010 Mal wieder mit Mario Adorf hatten wir Wolfsburg, Braunschweig und Göttingen hinter uns gelassen und waren mit Tempo 240 über Brücken und durch Tunnel gewohnt geschmeidig ins Nordhessische Bergland eingetaucht. Trotz der leichten Verspätung sind die 2 Std. und 45 Minuten weder vergleichbar mit den 8 Std. 20 Minuten meiner ersten Fahrt mit der DR auf dieser Strecke 1988, noch mit dem Auto am Tag und ohne Überschreitung der in Baustellen zulässigen Höchstgeschwindigkeiten zu schaffen.

Einen hervorragenden Service bot der Service Point der Deutschen Bahn in Kassel Wilhelmshöhe als wir feststellten, dass wir die Jacke meiner Tochter in der Ablage von Wagen 3, Pl. 75-77 hatten liegen gelassen. Kurzerhand wurde der Zugbegleiter angerufen, der veranlasste, die Jacke per Nachnahme zuzusenden.

Aus meiner Erfahrung typischer für die Deutsche Bahn war die Rückfahrt. In 5 von 8 Wagen einschließlich der ersten Klasse standen ab Braunschweig keine Toiletten mehr zur Verfügung. Der Schaffner unterbreitete mir in Einzelheiten, wie welche Toilette missbraucht worden sei. Mangels verfügbaren Sitzplätzen verbrachte ich die Fahrt wie so oft bei grünem Tee im Speisewagen. Als ich von einem Toilettenbesuch zurückkehrte und noch ein Stück Kuchen essen wollte, war die Restauration allerdings schon 35 Minuten vor Erreichen des Bahnhofs Berlin Spandau geschlossen.

Am Berliner Hauptbahnhof erwartete mich dann das erste Mal eine DB-Lounge, fein gelegen am Südausgang –direkt  mit Blick auf Angies Schreibtisch – Umgekehrt muss die Kanzlerin damals genau gesehen haben, wie der Stahlträgeraus der Fassade des  Hauptstadtbahnhofs auf die Treppen vor dem Taxistand krachte. Die Beschilderung  von den Bahnsteigen zur DB-Lounge ist auch für sehr pictorgrammkundige Reise mäßig organisiert.

In der Lounge wurde ich allerdings mit Langnese Cornetto Erdbeer und Haselnuss entschädigt – etwas angenehmeer als „Wat süßes oder wat salzijet“ von Hunolds Air Berlin Gören – allerdings in der 2. Klasse nicht so angenehm am Platz serviert . Auch das frische Bier und andere alkoholische Getränke hält die DB nur für Gäste der BahnCard First Inhaber bereit. Neben dem Grüntee von Ronnefeld, für den ich eben im Zug noch 3,10 € zahlen musste, bietet die Bar der Lounge, aber verschiedene Kaffeespezialitäten, Pepsi, Mirinda und Mineralwasser. Den Espresso musste ich aber leider aus einem großen Henkelbecher genießen, da das Servicepersonal schon mit dem Abräumen der kleinen Tischchen überfordert war.

Neben dem leiblichen Wohl ist in der DB-Lounge mit einer sehr guten Auswahl an mitnehmbaren und zurückzulegenden Tages- und Wochenzeitungen sowie der dezenten Dauerberieselung mit n-tv-Nachrichten (wechselt hoffentlich bald auf Augsteins N24) für gehobene Unterhaltung gesorgt.

Klar bin ich mit integrierter UMTS-Karte und Iphone etc. unterwegs – einen kostenfreien WLAN-Hotspot, wie ihn zum Beispiel der Stansted-Express in Zusammenarbeit mit TMobile in London anbietet, wäre in diesem Setting in jedem Fall wünschenswert und angebracht. Insgesamt lässt sich in der DB-Lounge aber durchaus ein Teil eines jeden Arbeitstages verbringen.

Vor dem Bahnhof standen – mit bloßem Auge findbar und über die sehr gut programmierte Iphone App von CallABike einfach zu entleihen meine Lieblingsdrahtesel bereit, mit denen ich durch lauen Sommerfieselregen in 12 Minuten die Rosenthaler Vorstadt für 1 € erreichte. BahnCard 100 Inhaber bekommen auch  hier Rabatt – wie ich mein altes Konto bei CallABike mit diesem neuen Rabatt beglücke werde ich morgen über die Hotline für 14 Ct pro Minute erfragen – bis dahin erst mal allen Lesern on the road, daheim, im Büro und im Urlaub ein schönes Wochenende!

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